Bufferbloat: das Lag-Problem des schnellen Internets
Jemand startet einen Download, und dein Videocall zerfällt — auf einem Tarif mit reichlich Mbps. Das ist kein Geschwindigkeitsproblem. Es ist ein Warteschlangenproblem.
Was da eigentlich passiert
Jeder Router und jedes Modem hält einen Puffer vor — ein Wartezimmer für Pakete, wenn die Leitung einen Moment lang voll ist. In kleinen Dosen sind Puffer gesund. Viele Heimgeräte kommen aber ab Werk mit Puffern, die hundertfach zu groß sind.
Füllt eine große Übertragung die Leitung, laufen auch diese überdimensionierten Puffer voll — und plötzlich wartet jedes Paket, auch die kleinen dringenden für deinen Call, dein Spiel, deine Klicks, in einer Schlange hinter Megabytes an Massendaten. Die Latenz schießt von 20 ms auf 300, 600, manchmal über 1000 ms. Das ist Bufferbloat.
Die typischen Symptome
Die Verbindung ist völlig in Ordnung — bis jemand Fotos hochlädt, ein Spiel sich aktualisiert oder ein Cloud-Backup anspringt. Dann stottern Calls, Streams puffern nach, Seiten kriechen, Spiele laggen. Stoppt die Übertragung, erholt sich alles auf der Stelle.
Weil der Auslöser dein eigener Datenverkehr ist, versteckt sich Bufferbloat vor Speedtests im Leerlauf: Download, Upload und Leerlauf-Ping können alle perfekt aussehen.
So misst du ihn
Miss die Latenz, während die Leitung ausgelastet ist. Genau das tut unser Speedtest — Latenz-Messungen laufen parallel zur Download- und zur Upload-Phase, und du bekommst für beide einen Wert für die Latenz unter Last plus eine Bufferbloat-Note von A bis F. Note C oder schlechter heißt: Echtzeit-Apps leiden, sobald die Leitung beschäftigt ist.
Die Abhilfen, nach Wirksamkeit sortiert
Die echte Kur ist Smart Queue Management auf deinem Router: Algorithmen wie fq_codel oder CAKE halten die Warteschlangen konstruktionsbedingt winzig. Such nach Einstellungen namens SQM, Smart Queues oder QoS mit fq_codel/CAKE und stell den Shaper knapp unter deine gemessenen Geschwindigkeiten. Noten springen regelmäßig von D auf A.
Kann dein Router kein SQM, bleiben diese Optionen: einen eingebauten „Anti-Bufferbloat“- oder Gaming-QoS-Modus aktivieren (die Qualität reicht von brauchbar bis Placebo), den Router durch einen mit SQM ersetzen (darunter alles, worauf OpenWrt läuft) oder die Anbieter-Box in den Bridge-Modus hinter einen solchen Router setzen.
Was nicht funktioniert: mehr Mbps kaufen. Eine dickere Leitung mit denselben aufgeblähten Puffern läuft nur schneller voll.