Starlink und Satelliten-Internet, ehrlich betrachtet
Satelliten-Internet wurde in wenigen Jahren vom letzten Ausweg zu einer richtig guten Option — aber die Physik setzt Regeln, die kein Marketing außer Kraft setzt.
Zwei sehr verschiedene Arten von Satellit
Klassisches Satelliten-Internet (GEO — Viasat, HughesNet und ähnliche) parkt einen Satelliten in 36.000 km Höhe. Allein der Hin- und Rückweg kostet ~500–650 ms Latenz: Seiten fühlen sich zäh an, Videocalls sind eine Qual, und schnelle Spiele fallen praktisch aus.
Konstellationen im niedrigen Erdorbit wie Starlink fliegen stattdessen in ~550 km Höhe. Das drückt die Physik-Steuer auf einige Dutzend Millisekunden — typisch sind 25–60 ms — und macht LEO zum ersten Satelliten-Internet, das sich wie normales Breitband anfühlt.
Welche Geschwindigkeiten realistisch sind
Starlink liefert üblicherweise 50–300 Mbps im Download und 10–30 Mbps im Upload — je nachdem, wie viele Nutzer sich deine Funkzelle teilen und welchen Tarif du hast. Das reicht bequem für Streaming, Calls und Remote-Arbeit.
Die Kapazität wird pro Gebiet geteilt: Volle Zellen werden zu Stoßzeiten langsamer, und Prioritäts-Tarife gibt es nicht ohne Grund. GEO-Dienste bieten meist 25–150 Mbps mit strengen Datenregeln — für Basis-Nutzung okay, als Hauptleitung eines vernetzten Haushalts frustrierend.
Himmel, Wetter und Hindernisse
Eine Schüssel braucht freie, weite Sicht auf den Himmel. Bäume sind Feind Nummer eins: Schon eine teilweise Verdeckung verursacht kurze Aussetzer, wenn Satelliten dahinter vorbeiziehen — beim Surfen unsichtbar, im Videocall tödlich.
Starker Regen und Schnee dämpfen das Signal (bei Unwetter sinkt das Tempo), und die Heizung der Schüssel wird mit Schnee fertig, zieht aber zusätzlich Strom. Die Platzierung ist 80 % einer guten Satelliten-Erfahrung.
Für wen es gedacht ist
Wenn du Glasfaser oder ordentliches Kabel bekommen kannst, nimm die — günstiger pro Mbps, niedrigere Latenz, kein freier Himmel nötig. Wo Leitungen schlecht sind oder ganz fehlen, ist Satellit ein Gamechanger: Häuser auf dem Land, Boote, Wohnmobile, Hütten ohne Anschluss, entlegene Arbeitsorte — und als ernstzunehmende Backup-Leitung für Firmen.
Noch ein Hinweis für Gamer und Trader: Die LEO-Latenz ist gut, aber sprunghafter als bei leitungsgebundenen Anschlüssen — rechne mit gelegentlichen Spitzen, wenn deine Verbindung an den nächsten Satelliten übergeben wird. Mach einen Test und schau auf Jitter und die Latenz unter Last, nicht nur auf den Download.